| Tourenbericht
Trient VS
vom
26. Juli - 1. August 2009 |
| |
| Teilnehmer: Cornel
Bernet, Christine Huber, Trudy Kälin, Marcel Krauer, Hans Räber,
Jakob Schuler, Ruedi Zimmermann
Tourenleiter: Marcel Hüppin, Franz Schnyder |
| |
| Mensch Meier, haben diese Zindelspitzler(-innen) flotte
Sprüche geklopft, Bonmots und Gags am Laufmeter zum Besten
gegeben, miteinander Spass erlebt, herzhaft gelacht, gesungen,
gejodelt, gejasst, Karten geschrieben, literweise Suppe geschlürft,
Megakalorien reingeschoben, dutzende von Teekrügen geleert,
ihre Weingläser zum Santé erhoben, Sonne getankt,
tiefblauen Himmel genossen, Schnee gestampft, Gipfel errungen,
Fels- und Eiswände bezwungen, viele neue Gipfel entdeckt,
Traumpanoramas verinnerlicht, warmen Granit gespürt, an
der steilen Wand gestrampelt, unzählige Male „ha Stand“ und „chasch
cho“ gerufen, einander am Seil hinuntergelassen, Schweissperlen
produziert, im kalten Hüttenseeli geschlottert, die Milchstrasse
bestaunt und Sterne gezählt, zum Balkenbersten geschnarcht,
malerische Sonnenaufgänge erlebt und ob all dieser Pracht
Hühnerhaut bekommen! |
| Datum |
Touren |
Höhenmeter |
Wegzeit |
Bemerkung |
| Auf-/Abstieg |
| 26.07. |
Cab. d'Orny 2831m |
637 |
0 |
2.0 h |
Bienvenu(e)s! |
| 27.07. |
Tête Blanche 3421m,
Petite Fourche 3512m |
702 |
702 |
7.30 h |
Kaiserwetter mit Bilderbuchpanorama |
| 28.07. |
Gendarme d'Orny (5a),
Aig. de la Cabane 2999m (5c+) |
259 |
259 |
7.15 h |
Red Chilly“ „Ehret die alten Haken!“.
Alpenwachholder- Zwischensicherung“, „Heb
mi Trudy!“ |
| 29.07. |
Le Pissoir 3308m,
Cab. du Trient 3170m,
Pointe d‘Orny 3271m |
652 |
652 |
10.15 h |
Es ladet das Seelein zum Bade…“ |
| 30.07. |
Aiguille d'Orny 3150m,
(5a+) |
319 |
319 |
9.10 h |
Heb mi Trudy!“ Küchenaufgebot Santé! |
| 31.07. |
Aig. du Tour (S-Gipfel),
3540 m |
709 |
709 |
6.10 h |
Toggenburger Jodlerabend |
| 01.08. |
Abstieg ins Tal,
Heimreise |
0 |
637 |
1.20 h |
Au revoir et merci beaucoup! |
| Total |
3278 |
3278 |
43.40
h |
|
|
| Nun aber alles schön der Reihe nach: |
| |
|
Gruppenbild
Trient-Gruppe |
| |
| Die Wetterprognosen könnten nicht besser sein:
Nachdem der Sommer 2009 bisher seinem Namen alles andere
als gerecht wurde, ist für die kommenden Tage herrliches
Bergwetter angesagt. Topmotiviert erreicht die neunköpfige
Zindelspitzgruppe nach einer vierstündigen Autofahrt
via Bern, Vevey und Martigny den Ausgangspunkt Champex VS.
Während der Sesselliftfahrt nach Grands Plans/La Breya
2194 m hinauf lassen wir zum ersten Mal jenes herrliche Panorama
auf uns wirken, das uns von nun an täglich begleiten
wird. Von weitem grüsst die hell leuchtende Schneekuppe
des majestätischen Grand Combin, der uns in seinem Reich
willkommen heisst. Ganze zwei Stunden trennen unsere schweren
Rucksäcke nun noch vom heutigen Tagesziel Cabane
d'Orny 2831 m. Bereits die erste Begegnung mit Hüttenwart
Raymond wird zum Aufsteller, führt er uns doch in ein
geräumiges Zimmer, das während der ganzen Woche
für den SAC Zindelspitz reserviert bleibt. Wer schon
einmal in einer gut besetzten Berghütte zu Gast war,
weiss was das bedeutet: „Freude herrscht!“ Wir sind gut untergebracht
und sehen den kommenden Tagen voller Tatendrang entgegen.
|
Seitenanfang |
Als Einstieg wählt das Leiterteam eine technisch
leichte Hochtour aus, die uns auf zwei das eindrückliche
Plateau du Trient umsäumende Gipfel führt. Dank
der frühen Tagwache erleben wir im Aufstieg über
den Glacier d'Orny zum Col d'Orny wie die vielen Spitzen
der Aiguilles Dorées die goldwarmen Strahlen der aufgehenden
Sonne zu reflektieren beginnen. Der imposante Zackengrat
macht seinem Namen alle Ehre. In einem grossen links-rechts
Bogen gelangen wir zum Einstieg des Ostsporns der Tête
Blanche , auf dessen 3421 m hohen Gipfel wir uns
nach einem 2 ¾ -stündigen Aufstieg zum ersten
Mal gratulieren. Ein kurzer Abstieg zum Col Blanc 3400
m und schon erwartet uns die teilweise blanke ca. 40° steile
N-Flanke der Petite Fourche. Unsere Steigeisen und Eisschrauben
nehmen die Herausforderung gerne an. Nach gut einer Stunde
geniessen wir auf der Petite Fourche 3512
m das Kaiserwetter und ein Bilderbuchpanorama. Unzählige
markante Silhouetten grüssen von nah und fern. Mit vereinten
Kräften gelingt es uns, die wichtigsten zu benennen
(Liedermacher Tinu Heiniger lässt grüssen). Die
eindrückliche Gipfelparade bringt uns im Verlaufe der
Woche noch oft zum Staunen. Der Rückmarsch zur Cabane
d'Orny erfolgt über eine kleine Abseilstelle (1 Seillänge)
direkt vom Col Blanc hinunter auf das Plateau du Trient.
|
| |
|
Heute kommen unsere Sportkletterer (und alle die es noch werden wollen) zum
Zug. Für den Ausflug in die Vertikale bietet sich jene Spitze geradezu
an, die unserem Zimmer in der nahen Ornyhütte den Namen gab: Aiguille
de la Cabane 2999 m. Wir wagen uns an die Route 5 „Les trois surplombs“ heran.
Der Einstieg in den Gendarme d'Orny liegt auf 2740 m Höhe.
Beim Anziehen der Klettergürtel verschlägt es den Anwesenden in Anbetracht
von Köbi‘s mega trendigen „Red Chilly“-Finken fast den Atem. Eines der
zahlreichen Bonmots dieser Tourenwoche ist damit lanciert! Da in der vergangenen
Nacht ein heftiger Gewittersturm mit Greupelregen durch die Gegend fegte, bekommt
Tourenleiter Marcel im Vorstieg der ersten Seillänge da und dort einige
glitschige Griffe unter seine noch etwas steifen Finger, was seiner Kehle jeweils
ein weit herum hörbares Entzücken entlockt. Der wärmende Sonnenschein
trocknet den nassen Felsen jedoch rasch ab, so dass wir die teilweise recht „luftige“ und „feine“ Route
voll geniessen können. Und schon erschallen sie wieder aus der Wand, die
bekannten Rufe der Klettergilde: „Ha Stand!“ – „Chasch cho!“ – „Wieviel Seil
hani nu?“ usw. Unsere beiden Gebertinger, Cornel und Marcel, hängen guten
Mutes an Trudy's Seil und geben sich redlich Mühe, ihrer flinken Pfadfinderin
zu folgen. In den 5er-Schlüsselstellen hört man jeweils ein ganz inbrünstiges „Heb
mi Trudy…!“ Im letzten Abschnitt des Gendarme d'Orny überrascht uns
Tourenleiter Marcel mit seiner „Spezialquerung“ zur „Route nostalgique“; ganz
nach dem Motto: „Ehret die alten Haken!“. Trudy's geniale „Alpenwachholder-Zwischensicherung“ erntet
dabei ebenfalls ungeteilte Bewunderung… Auf dem Gipfel der Aig. de la Cabane,
der die Seilschaften je nach Routenwahl noch mit einer Seillänge 5c+ beglückt,
steht uns die Freude ins Gesicht geschrieben. Das Abseilen erfordert noch einmal
die ganze Konzentration. Nach 7 ¼ Stunden kehren wir alle wieder wohlbehalten
und um viele Eindrücke bereichert in die Cabane d'Orny zurück. Zum
Nachtessen bringen wir wie immer einen kräftigen Appetit mit (je drei Teller
Suppen und wackeres Nachschöpfen beim Hauptgang…). Getreu der allgemeinen
SAC-Hüttenusanz ist um 22.00 Uhr Nachtruhe angesagt. Über dem Dach
der Cabane d'Orny breitet sich am Himmelszelt allmählich die Milchstrasse
aus. Die Bewunderung dieses eindrücklichen Sternenphänomens bleibt
jenen Glücklichen vorbehalten, die zu später Stunde noch die Blase
erleichtern und anschliessend im Seidenschlafsack selig weiterschnarcheln… |
| |
|
| Aiguille du
Tour
|
Seitenanfang |
| |
| Eigentlich wäre für
heute der Nordgipfel der Aiguille du Tour 3540 m geplant gewesen.
Im Einstieg auf dessen Nordflanke lösen zwei vorangehende
Seilschaften ständig kleinere Steinschläge aus. Marcel
und Franz beschliessen deshalb, die Tour abzubrechen und auf
den benachbarten Gipfel Le Pissoir 3308 m
auszuweichen. Die ausgiebige Gipfelrast auf diesem eher unscheinbaren
aber nicht minder schönen Gipfel bietet uns Gelegenheit,
das gewaltige Mont Blanc-Massiv im Detail zu studieren. Auf
dem Rückmarsch statten wir der schön gelegenen Cabane
du Trient 3170 m einen kurzen Besuch ab. Wir deponieren unsere
Rücksäcke und nehmen den Weg zum nahen Hausberg unter
die Füsse. Nach einem gemütlichen 20-minütigen
Aufstieg geniessen auf der Pointe d‘Orny 3271
m die Ruhe und das fantastische Wetter. Einmal mehr zieht uns
das gewaltige Panorama in seinen Bann. Nach dem Abstieg zur
Cabane d'Orny erwartet uns eine ausgiebige Hüttensiesta,
die wir nach einem insgesamt 10 ¼ -stündigen Unterwegssein
mehr als verdient haben. Einige Heissblütler wagen sogar
den Sprung ins „frische“ Nass des nahen Moränenseeleins
unterhalb der Hütte: „Ich säg üch: e soo….
warm!“ |
| |
| Erneut zieht es uns in die Vertikale, diesmal in die nahe gelegene Aiguille
d'Orny 3150 m, von deren Route 3 „La Moquette“ wir uns herausfordern
lassen. Die beiden „luftigen“ Schlüsselstellen im unteren Bereich (Fussschlinge
an der Candelle 5a+) und in der Seillänge am Gipfelaufschwung (5a) lassen
den Puls spürbar höher schlagen : „Heb mi Trudy…!“ Mit mehr
oder weniger Souplesse erreichen schliesslich alle den Gipfel: Handschlag -
ein Lächeln - Mühen vergessen! Wie immer erfordert das anschliessende
Abseilen und der darauffolgende Abstieg zur Hütte noch einmal die ganze
Aufmerksamkeit. Vor dem Nachtessen bleibt reichlich Zeit zum Entspannen. Das
Wissen um unseren gewaltigen Appetit macht am Nebentisch bereits die Runde.
Nichtsdestotrotz bewirtet uns Hüttenwart Raymond mit der ihm eigenen Grosszügigkeit,
die wir im Hüttenbuch gebührlich festhalten. Im Anschluss an das heutige
Nachtessen wird der SAC Zindelspitz zum Geschirrabtrocknen in die Küche
aufgeboten. Dies bietet uns wieder einmal eine willkommene Gelegenheit, in einer
SAC-Hütte alte Volkslieder zu singen. Die Tellerberge schwinden im Nu und
schon bald winkt uns als Lohn Raymond‘s Hagenbutten-Schnaps Marke Eigenbrand: „Santé!“
|
| |
| Sechsstündige Abschluss-Hochtour
auf den Südgipfel der Aiguille
du Tour 3540 m. Nach den Erfahrungen am Einstieg
zum Nordgipfel sind wir froh, heute – dank früher Tagwache – zu
den ersten Seilschaften am Berg zu gehören. Mit jeder
zusätzlichen Seilschaft steigt die Steinschlaggefahr in
diesem brüchigen Fels hörbar an. Das vertraute Panorama
unter blauem Himmel und Sonnenschein wird heute noch mit einem
malerischen Nebelmeer über dem Talboden ergänzt.
Nach der Rückkehr in die Ornyhütte heisst es bereits
ein erstes Mal Abschied zu nehmen: Hans und Franz haben morgen
Samstag familiäre Verpflichtungen wahrzunehmen und treten
deshalb am Nachmittag die Heimreise an. Zum Znacht tischt uns
Raymond ein währschaftes Walliser Fondue auf. Auch der
Fendant du Valais fehlt natürlich nicht; wir haben ja
schliesslich allen Grund, die Gläser zum Klingen zu bringen.
Im Anschluss an das Nachtessen gibt die JO Toggenburg einige
heimelige Jodellieder und urchige Zäuerli zum Besten,
deren archaische Tonfolgen unter die Haut gehen und zum Mitsummen
einladen. |
| |
|
Trudi
Franz und Marcel beim Abseilen an der Aig. de la Cabane |
|
Et voilà, auch die schönste
Tourenwoche geht einmal zu Ende! Fünf abwechslungsreiche
Kletter- und Hochtourentage liegen hinter uns. Inmitten einer
atemberaubenden Kulisse durften wir täglich bei idealen
Bedingungen unterwegs sein. Dabei erlebten wir eine tolle
Kameradschaft und hatten viel Spass miteinander: Merci à tous!
Die grosszügige Gastfreundschaft der Cabane d'Orny hat
uns beeindruckt: Danke Raymond, Dir und deinem ganzen Team!
Und last but not least: Herzlichen Dank an Euch beide,
Marcel und Franz. Eure minutiösen Vorbereitungen
und kompetenten Führungen vor Ort liessen die Zindelspitz-Trientwoche
2009 zu einem unvergesslichen Erlebnis werden: „Chapeau!“
|
| |
| Jakob Schuler |
| |
Seitenanfang |
| |
| |
|
|